Altay- Arvaikheer, MN
Weshalb wir seit km 5’300 aus verbeulten Pfannen und Tellern essen, von Sandbuddelaktionen, etwas italienisch und wie gut mongolischer Rotwein schmeckt- alles in diesem Bericht.
Reisebericht vom 7.8.08 bis 10.8.08
Jazz - Gut vorbereitet auf eine weitere Zweitagesetappe mit Campen in der Steppe bepackten wir bei strahlend blauem Himmel und angenehmen Temperaturen unsere Toeffs. Mit den drei Intalienern, die ebenfalls mit Motorraedern unterwegs waren, vereinbarten wir, etwa bei Km 250 zu halten fuers gemeinsame Nachtlager. Die Tanks der KTM gefuellt mit einer gesunden Mischung von 92er und 80er Benzin ging die Fahrt gegen 8.30 Uhr los.
Ups, und weg war sie
Die Piste war stellenweise noch feucht vom Regen des letzten Tages. Also zuerst war sie noch feucht, dann kleine Wasserlachen, dann grosse und dann Schlamm- tja, und seit genau dort, etwa 70km nacht Altay, seit dort haben unsere Pfanne und unsere Teller nicht mehr ganz ihre urspruengliche Form- viel zu langsam wollte ich durch den Matsch und die KTM rutschte unter meinem Hintern weg und glitt zu Boden, waehrend ich irgendwie einfach stehen blieb. Zusammen mit Phil war die KTM schnell wieder aufgestellt und ich fuhr einfach etwas mutiger in die schlammigen Stellen- und das klappte.
So alleine waren Phil und ich noch niergends auf dieser Welt
Diese Etappe, von Altay bis zu unserem Nachtlager nach gut 230km Fahrt, war die bis dahin anspruchsvollste. Wie gesagt hatten wir anfangs mit Schlamm zu kaempfen, ich jedenfalls, und danach wurde es kurvig, huegelig und extrem sandig. So sandig, dass Phil mit der KTM einmal einfach stecken blieb (ohne Sturz) und ich die Raeder aus dem tiefen Sand ausbuddeln durfte, bevor er sich rausspuhlen konnte. Zudem wurde es immer einsamer. Irgendwo hatten wir wohl die Hauptroute verlassen. Die rote Linie im GPS entfernte sich immer mehr vom Pfeil, dem Ort wo wir waren. Beim rauszoomen auf den 50km Massstab konnten wir aber erkennen, dass unsre Richtung so Handgelenk mal Pi schon hinkommt. Wir hatten den ganzen Tag absolut keinen Verkehr, kamen auf Trampelpfaden an ein, zwei Jurten und deren erstaunten Bewohnern vorbei und durchfuhren eine total herrliche Landschaft. Stellt euch vor, das Appenzeller Land bei Morgendunst. Nur sind die Huegel aus dunklem Fels, der Dunst ist der Sandstaub und der graue Schimmer das Hitzeflimmern. Ab und zu kamen wir an ausgetrockneten Seen vorbei, wo Salz abgetragen wurde. So alleine, anhalten und es kommt einfach nichts und niemand vorbei, so alleine waren Phil und ich noch nie.
Irgendwo versteckt in dunklem Gestein stellten wir unser Zelt auf weichen Sandboden auf, allerdings mit nur wenig Hoffnung, die Italiener zu treffen, da diese wohl auf der Hauptroute blieben. Und so verbrachten Phil und ich eine weitere, friedliche Nacht unter der Milchstrasse in der mongolischen Steppe. Diesmal ohne naechtliche Besucher, wenn man mal alle diese lustigen, hamstergrossen Nager, die ueber die Steppe huschten, weg laesst.
KTM fahren macht Spass!
Der 8.8.08, die Etappe nach Bajanchongor, war genial! Die Piste blieb anspruchsvoll, jedoch von allem etwas weniger als am Vortag. Es machte richtig Spass mit zuegigem Tempo fluessig durch diese engen, kurvigen Erdstrassen zu gleiten. Sandige Stellen fahre ich unterdessen auch recht gut und ohne stockenden Puls. Nur einmal hatte es nicht ganz gereicht- aber Fahrerin und Fahrwerk noch heil.
Per Handy wird das Dorf zusammen getrommelt
Wenn wir mit den Motorraedern halten, haben wir sofort Besuch- ausser auf der gestrigen Etappe. Halten wir einfach irgendwo in der Steppe kommt meist nach 10 oder 20 oder 30 Minuten ein Mongole auf einem Pferd oder aber mit seinem Motorrad angefahren, keine Ahnung von wo! Manchmal hat er Frau und Kind(er) mit auf seinem Motorrad, machmal die Oma oder einfach einen Kollegen. Dann halten sie mit etwa 2m Abstand an und schauen. Schauen einfach. Aufs Motorrad, mich, Phil, auf das, was wir tun. Und nach einer Weile fahren sie wieder weiter. Kommen wir in eine Stadt oder groesseres Dorf mit lokalem Handyempfang, dann zuecken unserer ersten Besucher ihr Mobile und wenige Minuten spaeter kommen aus allen Himmelsrichtungen Toeffs angefahren. Locker 15-25 Menschen, vom Kleinkind bis zur Oma, schauen uns dann beim Trinken zu, schwatzen und lachen miteinander und einer ist immer der mutigste und fast auch alles ein bisschen an.
Die Hotels
In Bajanchongor hatten wir ein echtes Loch von einem Hotel: muffig, dreckig, stickig, das Bett zerknuellt vom Vorbenutzer, keine Dusche, eng und einfach schmuddelig. Nicht mal die Waende wollte ich freiwillig beruehren.
Wir hatten aber auch schon ganz gute Hotels, die Betten zum Beispiel sind meist gut in Schuss und schoen hart. Man bekommt immer einen Thermoskrug heisses Wasser aufs Zimmer fuer Tee und Kaffee. Nur machen die Zimmer auf mich einen jeweils ungepflegten Eindruck. Mit einfachsten Mitteln, an ihren Markten erhaeltlich und zu tiefen Preisen im Vergleich zu den 60$, die ich fuer eine Nacht bezahle, koennte man die Zimmer aufpeppen und in Schuss halten. Es kann anstrengend sein, nach einer Etappe am Abend, muede und hungrig einen Schlafplatz zu suchen. Nicht immer ist es lustig, mit Haenden und Fuessen und vielen Zeichnungen zu erklaeren, dass man in ihrem Hotel steht, weil man hier schlafen will. Fast unmoeglich ist es, zwei Naechte auf einmal zu buchen oder Kleider waschen zu wollen oder die Dusche zu finden. Doch irgendwann ist jede wilde Gestikuliererei vorbei und man strahlt sich gegenseitig an aus Erleichtuerung, endlich verstanden worden zu sein.
Da wir aber keinen Kocher mehr haben, sind wir alle 2-3 Tage auf eine Unterkunft mit Strom angewiesen, um mit unserem Heizstab zu kochen. Wir waren in der Zwischenzeit auch schon oefters in Restis essen. Da wir die Karte aber nicht entziffern koennen, waehlt das Maedchen fuer uns. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Ziegenfleisch mit, nein, Fett, Sehnen und Fell mit Ziegenfleisch, Gemuese aus der Dose und- juppi, Reis! Suppen mit ich weiss nicht genau was darin, oft aber sehr schmackhaft. Ach ja, und einmal stand auf der Karte Martini, den habe ich sofort bestellt, bekam dann Merlot angeboten, nahm an und nach dem ersten Schluck dieser likoerartigen, braunen Fluessigkeit schaute ich mir die Flasche genauer an und las: mongolischer Merlot! Die Restibesuche sind meist ein Abenteuer und machen selten satt. Deshalb ist es Phil und mir viel wohler, wenn wir selber kochen koennen- auf dem Motorrad muss man einfach fit sein.
Italienisches Wiedersehen
In Arvaikheer, eine weitere wunderschoene Etappe weiter, machten Phil und ich zwei Tage Pause. Wir trafen die drei Italiener wieder und verloren uns sofort in wilden Erzaehlungen ueber die letzten Etappen. Ja, sie nahmen die Hauptroute und sahen vor lauter Sand den vielen Verkehr nicht, oder umgekehrt? Es machte Freude, sich mit diesen drei Gleichgesinnten zu unterhalten.
Arvaikheer liegt am Anfang der asphaltierten Strasse nach Ulan Bator. Phil und ich liebaeugeln allerdings mit einer weiteren Offroadetappe nach Kharkhorin, der der Hauptstadt der Mongolei zu Chingis Kahns Zeiten.
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