Moskau-Novosibirsk mit dem Zug
Analysieren, entscheiden, umsetzen. Managementgesaber auf theroad? Nein, Reisen, wie es halt so kommt.
Phil - Manchmal fuehle ich mich missverstanden, wenn es als Feedback auf unsere Reisedokumentationen heisst, wir wuerden so extrem viel planen. Dabei planen wir jeweils nicht sehr viel mehr als den Kostenrahmen. Die Klimakarte gibt Auskunft wann wir gehen und der Arbeitgeber sagt, wie lange. Der Rest wird teilweise schon ins fahrlaessige vernachlaessigt. Russland? Toll! Wann? Nicht im Winter. Wie lange? Bank und Scheff einigen sich auf drei Monate. Was braucht es sonst noch? Etwas russisch waere nicht schlecht. OK, let's go!
Der Rest ist Geschichte. Moeglich, dass sich in unseren Berichten immer alles so aalglatt anhoert. Vor Ort kann es teilweise recht hecktisch und turbulent sein. Jazz und ich koennen viel Dynamik entwickeln, eion Feuerwerk an positiven und negativen Gefuehlen aber immer mit viel Vorwaertsdrang. Zu zweit zu sein ist ein riesiger Vorteil. Wir koennen bei Bedarf gleichzeitig zwei unterschiedliche Taktiken ausprobieren und dann immer gerade den Weg gehen, der uns einen Schritt weiter bringt.
Wuerden wir alles planen, so fehlte mir ein wichtiges Element, was fuer mich zum Reisen gehoert: Das Unerwartete erleben, mit Menschen in Kontakt kommen, an welchen man sonst nur vorbei gefahren waere. Und erst das Erfolgserlebnis und die tiefe Befriedigung, mehr als nur eine Hotelreservation eingehalten zu haben.
Analyse - was machen wir hier?
Beide sind wir selbstkritische Personen. Wir reflektieren uns selbst und uns als Gemeinschaft fortwaehrend. So merken wir, dass der westliche Teil Russlands, wie schon die Ukraine, uns mehr Energie raubt als zurueck gibt. Es ist sehr interessant, diese Kultur einmal zu erleben. (Ich rate explizit nicht von einem Russlandbesuch ab!). Das ist aber eine technische Sicht. Gefuehlsmaessig moechte ich so schnell wie moeglich weg hier.
Spontan diskutieren wir zwei Optionen: Ab nach Norden, Skandinavien. Oder den Zug nach Novosibirsk und von da an mit dem Toeff in die Mongolei. Auf alle Faelle gehe ich nicht nach Hause, ohne wenigstens 100 Kilomenter Schotterpisten gefahren zu sein. Sonst haetten wir die Toeffs nie kaufen brauchen.
Entscheid - gucken mer mal
Freitag, 11.7., Moskau
Mongolei muss anscheinend schoen sein, es reizt das Unbekannte. Also Prio 1 Mongolei, gucken mer mal, was geht und sonst Prio 2, Skandinavien. Damit aber da mit der Mongolei was geht, sind einige Punkte zu regeln: Motorradservice (Oelwechsel), Offroadreifen, Transport fuer Toeffs, Transport fuer uns. Und das bitte schoen alles in russisch.
Umsetzen - gucken mer weiter
Freitag, 11.7., Moskau
Auf der Regenfahrt nach Moskau setze ich einen GPS Punkt am Ort eines KTM Haendlers.
Samstag, 12.7., Moskau
Per Bus und zu Fuss (oeV ist Pflichtprogramm in jeder grossen, fremden Stadt) stoebern wrir den KTM Haendler auf. Dieser koennte Service machen, hat aber nur einen geeigneten Reifensatz. Haendler gibt uns Telefonnummer 7395050 fuer Transport, kennt Namen aber nicht weiss nur, in Moskau.
Sonntag, 13.7., Moskau
Fahrt zu unserem Hostel in Moskau, in welchem wir eine Woche gebucht haben, da wir ahnten, dass es das eine oder andere zu erledigen gibt. Glueck: hier gibts kostenlos Internetzugang. Damit finden wir die Adresse zur Telefonnummer. Ein Spediteur namens Autotrading. Wir berechnen fuer uns eine Kostenobergrenze des Transportes.
Montag, 14.7., Moskau
Wir fahren bei Autotrading vor, da telefonieren ja nichts bringt mit unserem "ich Hotel suchen hunger haben"-Wortschatz. Die zwei ersten Huerden, Eingangswaerter Gelaende und Eingangswaerter Firma bewaeltigen wir unterschiedlich: 1. einfach durchfahren (ist meistens gut), 2. ich diskutiere waehrend dem Jazz in meinem Schatten passiert, Waerter abgelenkt, ich Jazz hinterher. Beim hinaus fahren nochmals genau dasselbe...
Umed, ein junger Mann aus Tadschikistan spricht gebrochen Englisch."No address in Novosib, no transport. You have address tomorrow, you come tomorrow". Und weg war er. Keine Offerte ohne Adresse am Zielort, immerhin erfahren wir, dass es 8 bis 9 Tage dauern wuerde.
Montag, 14.7., Moskau
Erneut rechnen wir: 15.7. + 9 Tage = 24.7. Hostel haben wir bis am 20.7. Dann 2 Tage transsibirische Eisenbahn, wir koennten am 22.7. in Novosib sein. Somit bliebe einen Tag bevor die Bikes ankommen, einen Toeffmech vor Ort zu suchen, welcher dann den Service durchfuehrt. Und Reifen? Die lassen wir uns aus der CH senden! Das geht nach Angaben der Post 4-6 Tage. Passt alles! Jetzt nur noch Adresse in Nocvosib.
Montag, 14.7., Moskau
Meine Heldin Jazz reserviert per Telefon auf russisch ein Hotel in Novosib!
Dienstag, 15.7., Moskau
Das Missverstaendnis bei Autotrading lueftet sich: "Why hotel? Who buys?". Benzin ablassen, Dokumente ausfuellen, zahlen, mit Bus, Metro und zu Fuss zurueck.
Dienstag, 15.7., Moskau
Auftrag fuer Pneuversand per Mail.
Mittwoch, 16.7., Moskau
Zugnummer im Internet heraus suchen. Mit Zugnummer zum richtigen Bahnhof. Beim 3. Anlauf, nach ca 2 Stunden anstehen, koennen wir die gewuenschten Tickets kaufen.
Donnerstag, 17.7., Moskau
BMW Moskau (zu Fuss und mit Metro) hat keine 5 Liter Motorenoel mehr. Durchhangeln bis zu einem Hinterhofhaendler, der sich Motoprofi nennt. Danach hat er noch einen Liter uebrig. Patrick telefoniert uns, dass Reifen soeben aufgegeben wurden.
Mittwoch, 23.7., Novosibirsk
Latschen den ganzen Tag rum, finden Toeffmech nicht erhalten dafuer die Meldung, dass die Reifen am Zoll haengen bleiben. Sind total frustriert und erschoepft.
Donnerstag, 24.7., Novosibirsk
Wir finden Toeffmech. Dieser hat gerade noch zwei Hinterreifen. Spaeter Telefon, dass Bikes in Novosib angekommen. Wie jedes mal laufen wir 45 Minuten von der Busstation zum Hotel zurueck.
Freitag, 25.7., Novosibirsk
Mit Taxi und ganzer Toeffmontur zu Tankstelle. Benzingallone fuellen und damit zu Autotrading. Dokumente ausfuellen, Motos auspacken, zahlen, 20 Kilometer durch die Stadt zum Toeffmech. Oelwechsel, Reifen packen, Geld auftreiben (das heisst nochmals eine Stunde durch die Stadt gurken), doch mit Dollar bezahlen und schon geht ein ganz normaler Arbeitstag eines Reisenden zu Ende.
Sonntag, 27.7.
Wir sind von Moskau mit dem Zug nach Novosibirsk und fahren nun weiter.
Nachtrag:
Ob wir ebenfalls im Oasis, dem Traveller-Treff in Ulan Bator, ueber 2000 Kilometer und eine Landesgrenze entfernt, schon reserviert haetten, werden wir gefragt. Muss ich dahin? Gucken mer mal.
20.07.2008 Kilometer 0 der transsibirischen Eisenbahn |
20.07.2008 Unser Zug: 26N Sibiriak |
20.07.2008 Sibiriak Coupe von Innen |
20.07.2008 Mit Alioscha und Svjeta im Sibiriak |
21.07.2008 Alle Bahnuebergaenge sind bewacht |
25.07.2008 Juhui! Unsere Bikes haben es auch geschafft! |
25.07.2008 Geuebte Griffe bei NBS Moto in Novosib |
26.07.2008 Sogar Dunlop Reifen finden wir! |
26.07.2008 Strassenbild Novosibirsk |
28.07.2008 Russisches Kriegsdenkmal |
| Reise in Buchform: | Verlag Kastanienhof: |
|
Dieser Werk ist umfänglich unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert. All content on this website (text, photographs, code and any other original works), unless otherwise noted, is licensed under a Creative Commons License. |
