Moskau - Novosibirsk
Von endlos langen Scherenschnitten, dem Zugschaukeln das mich wunderbar in den Schlaf wiegte und einer Stadt, die einem den Atem nimmt!
Reisebericht vom 21.7.08 bis 27.7.08
Jazz - Phil und ich sind nach 47h Fahrt mit der Sibirischen Eisenbahn wohlbehalten am 22.7.08 in Novosibirsk angekommen. Die Fahrt mit DEM Zug war genial. Wir hatten ein 4er Abteil der 1. Klasse, welches wir die erste Nacht bis 5 Uhr morgens mit einem sypatischen, jungen russischen Paar teilten und die 2. Nacht von 24Uhr bis 5 Uhr mit einem anderen, aelteren russischen Paar. Die ganze restliche Zeit hatten wir das Abteil fuer uns alleine! Wir schauten die ganze Zeit zum Fenster raus und die Zeit verging wie im Flug. Wir fuhren endlos lange durch Waelder. Etwa alle 4-5 Stuenden hielt der Zug in einer Stadt. Dort machten wir dann jeweils etwa 20 Minuten Aufenthalt und wir konnten uns auf dem Perron bei den Marktleuten mit Fruechten, Getraenk, Brot und Glace eindecken. Jeder Wagen hatten 2 Begleiter die fuer Ordnung sorgten, sauber machten (Staubsaugen jeweils am Morgen), die Tee ausschenkten und Fragen beantworteten). Abends machte ich es mir mit dem Kissen auf meiner Pritsche bequem, schaute liegend zum Fenster hinaus. Noch gut 2 Stunden nach dem Sonnenuntergang war der Himmel hell in Rot und Blau gefaerbt und die schwarzen Silouetten der Baeume, Buesche und Strommasten fuhren an mir vorbei, als wuerde ich einen endlos langen Scherenschnitt anschauen. Herrlich. Im Zug und auch an allen Bahnhoefen herrscht Moskau Zeit. In Russland richtet sich eben alles nach Moskau, auch die Uhren!
Und die KTM's?
Die Motorraeder haben wir in Moskau bei einer Transportfirma aufgegeben und sie sind dann mit einem LKW gereist. Unterdessen sind auch sie wohlbehalten in Novo angekommen und wieder in unserem Besitz. Leider hat das mit den Offroadreifen, welche wir uns aus der CH schicken liessen, nicht geklappt. Sie sind in Moskau am Zoll haengen geblieben und wir hoffen jetzt mal, dass sie es zurueck in die CH schaffen.
Wir haben aber hier in Novo den einzigen Motorradmech/haendler gefunden, einen Oelwechsel machen lassen (wir hatten alle Ersatzteile dabei, inkl. Oel aus Moskau) und wir konnten sogar 2 nigelnagelneue Dunlop Offroadpneus kaufen. Diese schnallen wir erstmal als Gepaeck
auf unsere KTM und versuchen, noch so weit wie moeglich auf unseren Strassenpneus zu fahren.
Qualm, Gestank, Staub. Novo ist einfach atemberaubend!
Novo ist eine Grossstadt mit 500'000 Einwohnenern, welche uns stark an eine Andenstadt in Bolivien erinnert. Die Luft scheint duenn, die Strassen staubig, es ist trocken warm bis heiss (25 - 30 Grad), die vielen Autos und Kleinlaster hier rauchen in saemtlichen
schwarzschattierungen. Wir bewegen uns hauptsaechlich zu Fuss (am ersten Tag waren es 15km, und wir haben den Toeffmech dann eben gefunden!) oder mit den Kleinbussen, die hier nummeriert sind, feste Routen haben und pro Fahrt, egal wie weit, etwa 70 Rappen kosten. Es
hat nur wenige hohe Gebaeude, viele Kleine Laeden, oft offener Markt den breiten Strassen entlang und in Hinterhoefen. Internet war schwer zu finden, da hier, wer was von sich haelt, ein Laptop hat, mit welchem er in einem der zahlreichen wireless- cafes herumsurft.
Phil und ich sind in einem guten Hotel ganz am Stadtrand einquartiert. Englisch spricht hier niemand und so wird unser Russisch immer besser und die anfaengliche Kontaktangst, die sich im "muerrischen Moskau" aufbauen konnte, bauen wir hier wieder ab. Die Menschen hier sind
total anders als in Moskau: freundlich, hilfsbereit und nach wie vor korrekt im Umgang mit Handel. Novo ist laut und dreckig. Ueberall, in Taxis, in Wohnquartieren, in Einkaufszentren laeuft Musik und die Menschen unterhalten sich wieder munter. Das Zentrum der Stadt ist sehr sauber aber man muss nicht weit gehen, da liegt der Muell muffend herum oder wird kurzerhand im Vorgarten verbrannt.Die Frauen, wie auch die Maenner hier geben acht auf ihr Aeusseres.
Alle sind immer tip top friesiert und gekleidet. Es ist mir ein Raetsel, wie die hier in diesen staugigen Strassen den ganzen Tag so sauber bleiben? Mir gelingt das jedenfalls nicht.
Bald geht es weiter
Am Sonntag, 27.7.08 soll unsere Fahrt Richtung Sueden weiter gehen. Wir freuen uns, unsere Motoraeder wieder bei uns zu haben. Ohne fuehlten wir uns richtig ohnmaechtig und auch abhaengig von der Stadt, den Menschen und deren Infrastruktur. Das gefiel uns beiden nicht so gut. Aber jetzt, wo wir unsere "Fluegel" wieder haben, jetzt kann es weiter gehen!
Liebe Gruesse aus Novosibirsk, wo die Menschen kuerzer, dunkler und netter sind und sich bereits da und dort das asiatische erkennen laesst: Food, Menschen, Autos sind hier meist von Japan, also rechtsgesteutert!
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