Moskau - Moskau
Moskau, eine Stadt mit vielen Gesichtern. Doch ihre Menschen kennen nur das Eine, den “Laetsch”.
Reisebericht vom 14.7.08 bis 20.7.08
Jazz - Wow, 6 Tage Moskau! Was machen wir denn hier so lange? Zuerst haben wir einmal unser Quartier zu Fuss abgeklappert. Bald stellten wir fest, dass wir es gar nicht mal so uebel erwischt haben. Wohl besteht auch unser Quartier nur aus riesigen Blockbauten, doch sehen diese nicht 50 sondern eher so 15jaehrig aus. Auch die Autos im Quartier verraten den Wohnort der Mittelklasse und auch die Menschen hier und die Kleidung (Schuhe!) die sie tragen.
Auf der Strasse und in der Metro wird nicht gesprochen- ob man sich nun kennt oder nicht. Kein Wort zu viel. Deshalb, und auch weil es hier keine anderen Touristen hat, kommen Phil und ich glatt als einheimische Russen durch. Unser Wortschatz reicht, um mal eben nach dem naechsten Laden oder der Metrostation oder dem Bus zu fragen. Denn mehr als ein muerrisches “Bitte, wo Bahnhof- aha” braucht es nicht. Und beim Einkaufen braucht es gar keine Worte. Kein Hallo, kein Danke oder Bitte und schon gar keinen schoenen Tag. Den Betrag lesen wir unauffaellig auf dem Display der Kasse ab und ihre Waehrung haben wir seit Tagen im Griff als waers die unsere. Was mich also allenfalls als Touristin entlarfen koennte, ist das Laecheln auf meinen Lippen, das ich einfach nicht wegbringe. Denn- mir gefaellt es hier! Die Menschen sind echt, viel weniger Fassade als bei uns. Diese Distanz, dieser Abstand der durch ihre unhoeflich wirkende Wortkargheit und diese ewige saure Miene in ihren Gesichtern entsteht, zeigt sich auch im Abstand, den sie in der Metro einhalten: nie werde ich beruehrt, nicht beim Anstehen vor der Rolltreppe in der Rushour, nicht im Wagen selbst und selten nur beim Ein- oder Aussteigen. Alles laeuft ruhig ab; auf der Strasse, am Markt, im Park, auf dem Spielplatz, im Einkaufszentrum, auf dem Parkplatz- ueberall so leise wie in einer Kirche. Zum einen weil eben nicht gesprochen wird und zum anderen denke ich, dass all die Regeln und eingespielten Ablaeufe von allen eingehalten werden, es also gar keine “ueberfluessigen” Gespraeche braucht, nicht oeffentlich diskutiert oder gar gestritten wird. Sie handeln im Alltag eigentlich alle sehr egoistisch. Und weil sie sich hier irgendwie einig sind, was das beste fuer sie ist, kommt ihr Egoismus wieder allen zu gute.
Quartierleben
Auch im Wohnquartier ist es ruhig. Ich hoere keinen Nachbarn, die Kinder auf dem Spielplatz (welchen man hier in jedem Innenhof findet) spielen miteinander oder sind mit sich, mit einer der Schaukeln, der Rutschbahn, dem Kletterturm oder ihrem Spielzeug beschaeftigt. Um neun Uhr kommt Leben in die Stadt, die Geschaefte oeffnen, die Frauen gehen einkaufen, danach mit den Kindern auf den Spielplatz. Von halb eins bis drei Uhr ist Mittagsruhe im Quartier (es ist gleich ruhig wie vorher, nur sind die Menschen weg) und von drei an sind erst die Muetter und ihre Kinder, ab 18 Uhr die Vaeter und Muetter und ihre Kinder und ab 20 bis etwa 23 Uhr die Jugendlichen in den Innenhoefen. In Gruppen sitzten sie zusammen, trinken und rauchen, diskutieren und spaeter am Abend wird das eine oder andere Lied gesungen. Am anderen Morgen dann, kurz vor 9 Uhr hoeren wir, wie die Hausfee, pro Blockeingang gibt es eine, die leeren Flaschen einsammelt, den Platz wischt und die Eimer leert.
Das lauteste im Quartier sind die Alarmanlagen der Autos. Ganze Baladen von Sirenen gehen ab, wenn ein anders Auto zu nahe vorbeifaehrt oder aber es kraeftig donnert (und reagieren tut dann keiner)!
Auf den Hund gekommen
Hunde, ja Hunde hat es in Moskau auch. Solche mit und solche ohne Herrchen. Diejenigen mit Herrchen sieht man praktisch nur an der Leine und nicht selten mit Maulkorb. Diejenigen ohne Herrchen werden geduldet; oft finden sich hinter den Kiosken Teller mit Leckerli und Wasserschuesseln fuer die herrenlosen Vierbeiner. Ja, die Hunde fallen mir mehr auf als auch schon. Gerne schaue ich ihnen nach, beobachte sie regelrecht und Hunde mit Herrchen kommen an mir nicht immer ohne Streicheleinheit vorbei- Lupo, du fehlst mir.
Unser Alltag in Moskau
Das ist das, was ich am meisten geniesse, hier in Moskau, den Alltag. Wir schlafen lange, fruehstuecken ausgiebig, duschen, troedeln rum (die Englaenderinnen sind ausgezogen und die Franzosen am Arbeiten), checken das Internet ab und gehen dann irgendwann los. Natuerlich haben wir einen Stadtplan gekauft und zahlreiche Metrofahrten im voraus geloest. Wir sehen uns den roten Platz an, den Kreml, die Einkaufsstrassen in Zentrum und andere Bauten, die Moskau zu bieten hat. Alles sehr eindruecklich, gepflegt, sauber und gut organisiert. Doch so richtig spannend wurde es immer erst, wenn wir in die Nebenstrassen, die Hinterhoefe und Aussenbezirke der Stadt gingen, einfach drauf los liefen und so zufaellig an Maerkte gerieten, die nicht im Reisefuehrer stehen, all die Fabriken sahen, die “anderen” Wohnsiedlungen…. Oder aber unsere Busfahrt raus an den Autobahnring zu OBI und IKEA (kein Witz), ein megaeinkaufszentrum, das Glattzentrum koennte sich eine Scheibe davon abschneiden!, wo man einfach alles bekommt- alles. Die Fussgaengerpassage, welche die zwei Hauptgebaeude ueber dem Parkplatz verbindet ist etwa doppelt so gross wie der Fressbalken Wuerenlos! Doch hier finden wir den gewuenschten Sekundenkleber (UHU Schweiz) mit dem wir notfalls ein leckendes Schauglas an meiner KTM abdichten koennen.
Phil und ich geniessen aber auch das Quartierleben. Wir kaufen hier ein, Phil ging heute zum Coiffeur gleich um die Ecke und zur nahen Metrostation gehen wir wie alle anderen auch, quer ueber die Wiese, die stellenweise schulterhoch steht und ich mir wie im Stadtjungel vorkomme.
Da und dort erkenne ich nun auch ein Laecheln, versteckt und selten. Die Paerchen, eagl welchen Alters, kommen sich in der Oeffentlichkeit auf den langen Rolltreppen der Metro am naechsten und halten ganz verstohlen Haendchen oder kuessen sich sogar mal kurz.
Die Abende verbringen Phil und ich meist “zu Hause”, essen Kaviar, oeffnen beim grossen Abendgewitter nach einem weiteren 30 Grad Tag die Fenster, beobachten die Blitze, den Regen, geniessen die Erfrischung und lassen es uns gut gehen.
Und was nun?
Am besten aber lernt man eine Stadt kennen, wenn man in ihr etwas zu tun hat, Business machen will. So kamen wir in Kontakt mit dem Spediteur Uhmed aus Tadschikistan (Moskau ist wie andere Grossstaedte auch ein Schmelztigel unterschiedlicher Ethnien) und seiner Mannschaft, mit Bueroangestellten, mit einigen Vertretern einer grossen, deutschen Automarke, die dann doch kein Motorradoel hatte. Dieses fanden wir auf dem Gelaende, auf dem normalerweise Matula seine Verbrecher stellt: ein schummriger , oelpfuetzenversehener Platz in einem ungemuetlichen Viertel Moskaus mit Metallcontainern als Werkstaette und ganz zu hinterst dann ein Rollermech, der sich Motoprofi nennt und ein erstaunlich gutes Inventar besitzt.
Auch unsere Bekanntschaften mit Bahnhofsangestellten moechte ich nicht missen. In Moskau kann man locker 2 Stunden falsch anstehen (an 2-4 verschiedenen Kassen wohlgemerkt, jede auf Empfehlung Angestellter) und dann aber in 1.5 Minuten beinahe wortlos viel Geld ausgeben.
Und wo versteckt man in einer Stadt wie Moskau zwei KTM’s?
Die betrunkensten Leute, die gerade noch eine bezahlte Arbeit haben, sind die Eingangswaerter der bewachten Parkplaetze. Irgendwie waren wir schon fast froh, als es auf unsere Anfrage wodkageruchbegleitend hiess: niet motozikl. Wir verliessen das schwer angetrunkene Dreiergrueppchen, als dieses noch in der niet-Diskussion steckte.
Am besten also doch in einem 18-Wheeler mit allerlei Sonstigem beladen- oder? Mehr dazu im naechsten Bericht!
14.07.2008 Phil im Himmel: Fladenbrot! |
15.07.2008 Umed, thanks for your help! |
15.07.2008 Eine der prachtvollen Metrostationen |
19.07.2008 Phil beim Coiffeur |
20.07.2008 Kilometer 0 der transsibirischen Eisenbahn |
20.07.2008 Unser Zug: 26N Sibiriak |
20.07.2008 Sibiriak Coupe von Innen |
20.07.2008 Mit Alioscha und Svjeta im Sibiriak |
| Reise in Buchform: | Verlag Kastanienhof: |
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