Olgii - Altay
Von Jurten, Pferdeherden, Kamelen, viel Sand, Sonne und Steinen: 800km Offroad in Herz der Mongolei.
Reisebericht vom 1.8.08 bis 6.8.08
Jazz - In Olgi durften wir am 1.8.08 um 18.00 Uhr eine totale Sonnenfinsternis erleben. Am wolkenfreien Himmel schob sich der Mond ab 17 Uhr langsam vor die Sonne. Da wir nicht auf eine Sonnenfinsternis vorbereitet waren (Wir erfuhren es etwa 4 Tage im Voraus und per Zufall lag der Streifen der totalen Finsternis genau ueber unserer Fahrroute), hatten wir keine spez. Brillen oder Filter usw. dabei. Also stellten wir einfach einen Teller mit Wasser an den Boden. Bei glatter Wasseroberflaeche spiegelte sich die Sonne darin, nicht aber die gefaehrlichen Ultraviolettstrahlen. Gegen 18 Uhr, es war schon recht dunkel, kamen auch die Einheimischen auf die Strassen und beobachteten das Spektakel durch dickes, dunkles Plexiglas. Die Hunde kamen wie ueblich bei der Daemmerung aus ihren Verstecken auf die Strasse und als der Mond die Sonne komplett verdeckte, wir nur noch ihre Corona sahen, ging ein grosses Jubeln und Freudeklatschen durch die Stadt. Es war dunkel und am Himmel waren fuer gut eine Minute einige Sterne zu sehen. Am Horizont war zu erkennen, wo der Streifen der Finsternis endete und der Himmel taghell erleuchtet blieb. Bis 19 Uhr dauerte es, bis der Mond ganz an der Sonne vorbei war. Einmalig!!
Endlos fuehren die Wege ueber die Steppen
214km fuhren wir am 2.8.08 von Olgii nach Hovd. Alles Offroad. Es war der Hammer! Die Landschaft, so langweilig wie sie ist, so beeindruckend ist sie auch. Endlose Ebenen, trockene Steppen und am Horizont Huegel- und Bergketten, selten nur mit Schnee bedeckt. Die Farbpalette dieser kargen Natur reicht von zartem Gruen, ueber sattes Gruen und diverse Brauntoene bis hin zu rotem Sand und blaeulichem Gestein.
In der Ebene ist der Fahruntergrund meist hart mit einer duennen Sand oder Kiesschicht. Die Streckenfuehrung ist meist gerade aus. Es gibt aber auch Stellen, da ist der Sand tief ist (10-20cm) und die Kieswaelle zwischen den Fahrspuren koennen auch ganz schoen hoch liegen (30-50cm). Wenn grober Schotter tief liegt- das hasse ich! Da schwadert mein Vorderrad trotz ganzer Gewichtsverlagerung nach vorne! Da nuetzt nur noch Gas geben, festhalten und der Rest erledigt die Schwerkraft. Die KTM ist leichter als die BMW und ich habe mehr Bodenfreiheit. Zudem sind die Federn der KTM genial! Die federn total schnell wieder aus, zum Glueck. So kann ich sagen, dass mir die KTM doch den einen und anderen Abflug von der, sagen wir mal Ideallinie verzeiht, und ich Ausfluege in wannengrosse Sandmulden und Abkuerzungen quer ueber alle Spurrinnen ohne Sturz ueberstand. Das einizige, das bisher fiel, ist mein Herz: bis in die Hosen rutscht es mir jeweils- auch wenn ich Phil in riesigen Wasserloechern eintauchen sehe, bzw. vor lauter Gespritze gar nichts mehr von ihm sehe... Ja, wir haben Spass!
Wenn es huegelig wird, werden die Wege in der Regel kurviger und felsiger. Nach vier Stunden reiner Fahrzeit kamen wir durchgeschuettelt in Hovd an.
Reisealltag
Hovd (vielleicht ein Drittel von Wetzikon?) ist kleiner als Olgii, bietet aber ausser Internet alles, was wir brauchten. Schnell fanden wir das Hotel. Dann erst mal Zimmer anschauen, buchen und gleich bezahlen. Jetzt Gepaeck hochschleppen und die Motorraeder in der Garage versorgen. Die Motorraeder ziehen hier sehr viele interessierte Blicke auf sich, da sich viele Maenner hier ebenfalls mit Motorraedern fortbewegen. Auch die Taxis sind Motorraeder (meist 150er, chin. oder jap. Choppermodelle). Die Maenner kommen nahe, Koerperkontakt ist der Normalfall, und sie fassen alles an. Meine Warnungen nutzten nichts: schon manch einer hat sich an meinem Motorad im wahrsten Sinne des Wortes die Finger verbrannt. Wenn Gepaeck und Motorraeder verstaut sind, muss ich immer als erstes Duschen. Danach geht es los auf die Piste: Geld wechseln und einkaufen. Das klingt einfach- ist es aber nicht. Die Haeuser sind alle im selben Stil gebaut und die sprachliche Verstaendigung, das Fragen nach Wegen und Gebaeuden ist beinahe unmoeglich. Die Banken sind meist am Hauptplatz- man muss nur noch diejenige finden, die Geld wechselt- das machen nicht alle. Und die Tante-Emma-Laden? Oft haben sie ein Schild mit Bildern oben an der Tuer. Wenn dieselbe offen steht, einfach reingehen. Manchmal hat es Kleider, manchmal Lebensmittel. Bis wir alles haben, was wir brauchen, klappern wir locker 8-12 solcher Laeden ab. Dann wird gekocht (mit unserem tollen Heizstab dauert Reis nur 60 Minuten) und gegessen. In Hovd kochten wir gleich noch vor, da uns eine Zweitagesetappe mit wilden campen bevorstand. So gegen 21 Uhr sind wir dann jeweils mit dem Programm durch und nach etwas Mundhygiene geht es ab ins Bett. Begleitet von Hundegebell und dem Wasserrauschen der lecken Klospuehlung schlafe ich ein.
Naechtlicher Besuch
Zugegeben, ein etwas mulmiges Gefuehl hatte ich schon, als wir am 3.3.08 Hovd Richtung Altay verliessen. Vor uns lagen gut 400km Steppe; unmoeglich in einer Etappe zu fahren, also wild campen. Die Strasse war vor allem deswegen anspruchsvoll, weil wir sie bei gut 35 Grad fuhren und niergends auf Schattenspender stiessen- Steppe halt und ueber weite Strecken Steinwueste. So spannten wir am Mittag mein grosses Tuch zwischen den KTM’s auf und gelangten so zu etwas Schatten- was sofort Kuehlung brachte- mind. vom Boden her. Acht Liter Wasser hatten wir dabei, das reichte gut. So gegen 17 Uhr hielten wir unweit der Strecke in der Steppe an und warteten, bis es anfing zu daemmern. Wir assen den vorgekochten Reis mit einer Dose Erbsen und Tomatenpurree, kalt, versteht sich. In dieser Zeit fuhren etwa 3 Fahrzeuge an uns vorbei, nicht aber die Englaender, die diese Etappe ebenfalls an diesem Tage machen wollten und wir sagten, dass wir etwa bei Km 250 campen werden. So blieben Phil und ich fuer uns. Wir fuhren nochmals etwa 500m von der Piste weg, bis wir sie nicht mehr sahen. Wir stellten das Zelt auf, putzten die Zaehne bei Sonnenuntergang und bald schon schlief ich. Phil weckte mich: „Du, da sind Tiere da draussen.“ Wir oeffneten die Reissverschluesse des Zeltes und fanden uns mitten in einer wilden, vorbeiziehenden Pferdeherde wieder! Die Sterne, unzaehlig viele, leuchteten am Himmel. Die Milchstrasse praesentierte sich pompoes, die Pferde schnaubten, ihre Hufe klapperten auf den Steinen- ein Traum. Und gerade als wir wieder fast schliefen, kam die naechste Herde...
Altay
Die restlichen knapp 200km nach Altay am naechsten Tag waren hart. Viel Wellblech, viel Sand und- heiss. Kaum Wind, keinen Schatten. Doch, Schatten fanden wir. Unter einer Bruecke machten wir Mittagsrast. Wir fuhren an diesem Tag ueber einige Bruecken und ueber noch mehr ausbetonierte Flusslaufquerungen. Da kann allem Anschein nach ganz schoen viel Wasser liegen.
Wir fuhren auch auf dieser Etappe an einigen Jurten vorbei. Diese stehen alleine oder in kleinen Gruppen irgendwo in der Steppe und zwei Dinge faszinieren mich immer beim Vorbeifahren: erstens die Satelitenschuessel, die vor jeder Jurte steht und dann der Geruch, der immer rund 200m nach der Jurte die Luft schwaengert...
Vorbei an einigen wilden Kamelherden erreichten wir Altay und es folgte der schon beschriebene Alltag Reisender. Wir planten zwei Tage zu bleiben, es wurden aber drei daraus, da es am dritten Tag regnete und auf gerade mal 16 Grad abkuehlte (Altay liegt auf gut 2000m). Bei laengeren Aufenthalten kommt zum beschriebenen Alltag noch das Waeschewaschen, das KTM mechen und das Vorkochen hinzu- es steht uns bereits die naechste Zweitagesetappe mit wildem campen bevor.
Wir waren im Internetcafe um Fotos zu laden und Berichte zu schreiben und das Wetter zu checken. Und wir besuchten den Markt am Stadtrad. Dort gefiel es mir besonders gut. Neugierig, aber ohne alles an zu fassen dafuer ohne den Koerperkontakt zu scheuhen schlenderten wir durch dieses Dorf im Dorf, wo man vom Handwerker (Holz, Metall, Leder, Stoff) ueber Frischfleisch (die Koepfe und Felle lagen noch daneben), Ziegenmilchprodukten, Haushaltswaren und Kleidern einfach alles bekam. Nur Gemuese und Fruechte sind die grosse Mangelware! Wir kauften dick ein- wer weiss, wann wir das naechste Mal eine solche Auswahl haben? Und etwas haben wir auf dieser Reise schnell wieder gelernt: zugreifen, wenn es etwas zum Zugreifen gibt!
01.08.2008 Olgii |
01.08.2008 Nacht, mitten im Tag |
01.08.2008 Sonnenfinsternis 2008 |
02.08.2008 Kurz nach Olgii |
02.08.2008 Hauptverbindungsstrasse |
02.08.2008 Mittagspause |
02.08.2008 Wo das Herz hoeher schlaegt |
03.08.2008 Einfach Spitzenklasse |
03.08.2008 Kein Baum, kein Schatten |
03.08.2008 Verkehr: ca. 1 Fahrzeug pro 2h |
03.08.2008 Tagesabschluss am GPS |
03.08.2008 30 Grad und mehr |
| Reise in Buchform: | Verlag Kastanienhof: |
|
Dieser Werk ist umfänglich unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert. All content on this website (text, photographs, code and any other original works), unless otherwise noted, is licensed under a Creative Commons License. |
