Schwumm nach Moskau
Polen, du weisst ich liebe dich. Ueber Litauen und Lettland nach Russland.
Phil - Nachtrag fuer alle, die mich nicht kennen und die mein letzter Bericht ueber Polen irritiert hat: Polen ist toll! Wer zwischen den Zeilen liest merkt, dass es da alles gibt, was unsere westliche Gesellschaft ausmacht. Ueberlastete Strassen und von der Arbeit gestresste Leute, die nach Feierabend einfach ihre Ruhe haben woollen. Also genau wie bei uns und fuer um das zu erleben bin ich ja nicht los gefahren.
Litauen
Litauen ueberrascht mich mit perfekten Strassen durch wunderbare Waelder der Nationalparks im Suedosten des Landes. Schon lange habe ich nicht mehr so viele BMW’s auf einmal gesehen, wie hier. Die die es sich leisten koennen, sind auf dem Weg in die Ferien. Vilnius, der romantische Hauptstadt (von der ich vorher noch nie etwas gehoert habe) haftet viel Charme an. Viele Fassaden scheinen verlottert, ein Hauch von Nostalgik, verbergen aber ein gepflegtes Inneres. Die belebte Altstadt mit ihren exklusiven Laeden scheint ein Abbild der aufstrebenden Marktwirtschaft. Gut sichtbar sind auch die Verlierer des Strukturwandels. Jedem Bushaeuschen seine randstaendigen Alkoholiker. Es ist sechs Uhr Abends, einige sitzen apathisch da, andere haben sich bereits hingelegt… Das kratzt am schoenen Bild, wer hier her kommt, muss das ertragen koennen.
Lettland
Wir versuchen, so viele Waelder und Seen zu bekommen, wie wir koennen und legen unsere Route dementsprechend. So ueberqueren wir die Grenze zu Lettland mitten im Wald auf einem schmalen Kiesweg. Nur noch Fundamente als letzte Spuren von Zollhaeuschen sind auszumachen. Dann der Schock. Auf der Lettischen Seite ist die Infrastruktur markant schlechter. Schlechte Strassen, kaum Wegweiser oder sonstige Hinweisschilder. Asphaltiert ist gerade einmal die Hauptstrasse, was links und rechts weg geht, ist geschobene Piste, oft recht sandig.
Zu meiner grossen Erleichterung haben wir Glueck mit dem ersten Hotel in Daugavpils. Hier verbringen wir zwei Tage, um in dieser Zeit die Motorradversicherungen fuer Russland aufzutreiben und ein Hotel in Moskau zu buchen. Sprachlich ist es wie in Suedtirol. Lettisch ist die offizielle Sprache. Strassenschilder folgen dieser Vorgabe, doch alles andere ist zweisprachig oder nur in russisch angegeben. Die Leute sprechen alle fliessend russisch. Naehert man sich der russischen Grenze, so wurden da nicht einmal die alten sowjetischen Denkmaeler entfernt.
Russland
Russland ist nicht Schaschlik und Vodka, nein Russland ist hartes Brot. Die Zeit auf dem Motorrad macht Freude. Wann konnte ich zum letzten mal am Morgen aufs Gas und so bis zur naechsten Pinkelpause verbleiben? Dazwischen sanfte Huegel, lange Geraden, eine Handvoll Lastwagen und perfektes Motorradwetter. Nun zeigt sich der Unterschied von den KTM’s zu den BMW’s sehr deutlich und laesst sich in Zahlen ausdruecken. Bei gleichen Bedingungen hatten wir mit den BMW’s eine um 20 Km/h hoehere Durchschnittsgeschwindigkeit. Etwa eine Stunde frueher als noch mit den F650GS werde ich langsam muede und es kommt der Zeitpunkt, an dem wir auf Hotelsuche gehen. Und das dauert und zehrt an den Nerven. Zum einen gibt es nur in groesseren Staedten welche, moistens nur ein einziges, und das muss man erst mal finden. Ueber die Hilfsbereitschaft der Russen schreibe ich einen eigenen Bericht.
Ausgerechnet an dem Tag, an dem wir den Moskauer Stadtrand anpeilen regnet es in Stroemen. Irgendwann reisse ich mir Jazz’ Sonnenbrille ab, da ich mit dieser mit ihrem psychadelischen Rotstich nichts mehr erkenne in dem Gischt-Abgas-Gemisch der 5-spurigen Autobahn, welche Moskau umgibt. Sobald es leicht bergauf geht, blasen einem die Lastwagen tiefschwarze Wolken seitlich ins Gesicht. Feinstaub kann ganz schoen gross sein und wer das Visier nicht schoen unten hat, riskiert eine sekundenlange Blindheit, da es in den Augen piekst, sticht und beisst, bis die Traenen kommen.
Entenhausen
Ich moechte es kurz machen. Jazz draengte mich zwei Stunden durch Stossverkehr und Regen bis wir ein Hotel am Stadtrand gefunden hatten. Dieser Bunker inmitten einer Sportanlage mit Park sieht von aussen genauso aus wie Dagobert Ducks Geldtresor. Die folgenden 36 Stunden verbringe ich hauptsaechlich schlafend. Die Augen muessen sich erholen und auch mein Darm rebelliert gegen etwas, was ihm nicht bekam. Das Bett ist Gold wert!
Moskau!
Vergessen sie alles, was sie bisher an Blocksiedlung gesehen haben. Moskau schlaegt sie alle.Auf den 70 Kilometern vom West- zum Ostrand auf der Ringautobahn, der MRAD, fahren wir in unmittelbarer Naehe an fuenf Kuehltuermen vorbei. Zweimal!
Auf unserer Homepage haben wir zuvor mit Hilfe der Adresse die Koordinaten des - natuerlich nicht angeschriebenen - Hostels im GPS eingegeben. So fahren wir fast ohne Umweg zur Wohnung 52 in Block 7 der angenehmen Wohngegend (nicht ironisch gemeint!), die nur und wirklich nur, aus himmelhohen und endlos breiten Kloetzen besteht. Eindruecklich, massiv. Ich staune.
PS: Koordinaten ueber Karte finden auf Seite route. Auf Lupe klicken um Karte zu vergroessern. Hier koennen die Koordinaten des Mauszeigers abgelesen warden.
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09.07.2008 Gemueseladen von aussen |
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10.07.2008 Standard Fruehstueck: Hafer und Bananen |
10.07.2008 Unterwegs nach Moskau |
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11.07.2008 Und fuer was ist die Wassergallone? |
11.07.2008 Dagobert Duck Hotelbunker |
11.07.2008 Tierklinik in Vorort zu Moskau |
| Reise in Buchform: | Verlag Kastanienhof: |
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