Es ist gerade mal 14 Tage her, da stand ich um diese Zeit (15 Uhr) noch vor einer Schulklasse! Wenige Stunden spaeter dann mit einer vom Motorrad fast geloesten Packrolle auf dem Pannenstreifen der A3 bei Glarus und nochmals einige Stunden spaeter dann auf dem Perron in Feldkirch, auf den Autoverladezug wartend. Unser neues Reiseabenteuer begann mit einem langen Tag der in einer engen Zugskabine auf einer einfachen Pritsche endete. Und wo endet das neue Reiseabenteuer? Keine Ahnung, nur, soviel sei verraten, wohl kaum in Vladiwostok. Doch mehr dazu spaeter.
Natuerlich begann alles mit einem Polizeirendezvous
An Schlaf war nicht zu denken in dieser ersten Nacht im Zug. Kurz nach 8 Uhr fuhren wir vollbepackt in Wien los Richtung Bratislava (SK). Phil fuhr vorne, und ich versuchte an ihm dran zu bleiben. Nach wenigen Kilometern auf der gut befahrenen Autobahn macht sich nun Phils Gepaeckrolle locker und geraet in bedrohliche Schieflage. Mir blieb nichts anderes uebrig, als ihn zu ueberholen und auf dem Pannenstreifen aus zu bremsen. Noch waehrend wir mit den Zurrgurten hantierten, fuhren 2 Polizeiwagen vor und sichern uns gegen hinten auf dem Pannenstreifen ab. Dies sei ein "gefaehrdeter Autobahnabschnitt". Herzlichen Dank!
Unterdessen haben wir das Bepacken des Motorrades wieder tip-top im Griff. Es braucht eben alles seine Zeit, bis es wieder eingespielt ist. Nicht nur das Packen, sondern auch das Unterwegssein als solches. Der Tagesrhythmus und -inhalt sind komplett anders als zu Hause. Praktisches Denken und Handeln sind angesagt. Das Verlassen des Gewohnten (Freunde, Sprache, Essen, Infrastruktur..) braucht Mut und nagt am Selbstvertrauen.
Ungemuetliche Gedanken auf den ersten Kilometern
Mache ich das Richtige? Meine Gedanken kreisten auf den ersten Etappen durch die Slowakei staendig um all die Dinge, die geschen koennten und nicht so toll waeren. Zweifel kamena auf am ehrgeizigen Ziel Vladiwostok. Ich merkte, dass ich ein anspruchsvolleres Motorrad fahre als auf der letzten Reise und dass auch ich anspruchsvoller gerworden bin (was das Essen, die Unterkunft, die Erholungszeit und mein Sicherheitsgefuehl betrifft). Am vierten Tag unserer Reise, auf einem Zeltplatz in Sirava (SK) an einem See, nach stundenlangen Gespraechen mit Phil geschah der grosse Befreiungsschlag! Phil plagten aehnliche Gedanken wie mich. So entschieden wir uns, Vladiwostok als Ziel zu streichen. Es soll anders werden als letztes Mal, wo wir einen perfekten Plan perfekt umgesetzt haben und so eine perfekte Reise erleben durften. Unsere HP heisst ja theroad- das wollen wir diesmal als Ziel nehmen; woertlich.
Jeden Morgen aufs Neue
Wir planen etwa drei Tage voraus die Fahrtrichtung und dann spontan jeden Tag aufs Neue die Tagesroute (die dann durchaus im verlaufe des Tages nochmals aendern kann). Und- seither macht es Spass! Das Reisefieber hat mich wieder. Die gepflegten Fingernaegel sind weg, die Hornhaut (kein Witz) in den Handballen waechst und meine Stiefel riechen immer mehr. Der Stress und Druck einen bestimmten Ort in weiter Ferne erreichen zu muessen ist weg und die Gedanken waehrend des Fahrens sind befreit und somit bereit fuers Gegenwaertige.
Slowakei?
Von der Slowakei habe ich leider irgendwie gar nicht viel mitbekommen. Ausser vielleicht der hohe Bierkonsum der Menschen hier, die hohen Windraeder im Westen des Landes und die Tatsache, dass wir schon hier mit Russisch weiter kommen als mit Deutsch oder Englisch.
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Written on the 21st day of trip II - Austria-Russia-Mongolia
1'091 Km on the road