Written in Namibia
11/07/2003 by jazz
Es war am 30.10.03 morgens um 9.00 Uhr als wir mit der Malaysia Air ueber das Kap of good hope flogen und 2 Minuten spaeter sanft zur Landung ansetzten. Kapstadt, Afrika- wir sind da!
Es dauerte ganze 2 Stunden, die wir meist mit Anstehen verbrachten, bis wir durch den Zoll waren, etwas Geld gewechselt hatten und unsere kleine Sporttasche und die zwei kleinen Rucksaecke Handgepaeck durch die Gepaeckkontrolle geschleust hatten. Und das um 4 Uhr morgens, wenn man die Zeitverschiebung wegrechnet... . Doch Phil und ich waren guter Dinge; endlich in Afrika! Das Abenteuer kann weiter gehen. Dass das Abenteuer dann schon am Migrationschalter begann, dort wo alle anderen kurz ihre Paesse hinhalten, einen Stempel bekommen und dann gehen koennen, dass es schon dort das erste mal brenzlig werden wuerde, damit hatten wir allerdings nicht gerechnet: fragte doch die Zollbeamtin tatsaechlich nach einem Ausreiseticket! Da wir keines hatten, musste der Mister zu Hilfe kommen. Wir erklaerten ihm freundlich unsere Reiseabsichten und Phil zeigte ihm all die Stempel der anderen Laender, wo wir schon ueberall waren- und vor allem auch wieder gingen. Er entliess uns mit einer Warnung (ein Ausreiseticket gehoere zu den Pflichten, die Einreisende in SA zu erfuellen haetten) und einem Joke (er werde das naechste Mal mit einer Waffe persoenlich kontrollieren, ob wir ein Ticket haetten). Die Zollbeamtin zeigte sich verblueffter als wir, dass der Mister so freundlich war! Er sei sonst streng, meinte sie, und noch niemand ohne Ticket kam an ihm ohne Gelddepot vorbei... .
Das Geld, das wir mit dem Depot gespart hatten, floss uns in den naechsten Stunden nur so durch die Finger. Wir, von Suedamerika kommend, empfinden Kapstadt als sehr teuer! Das Taxi in die City 25 Dollar, kein Hotel unter 50 Dollar, also Backpackerabsteige fuer 35 Dollar! Dann Food einkaufen zu schweizer Preisen- nur Gemuese ist hier billiger als zu Hause. Natuerlich gingen wir noch schnell auf dem Schweizer Konsulat vorbei, um uns an zu melden (Sicherheit) und um zu fragen, ob denn unsere Post, das Carnet de Passage, schon angekommen sei. Leider nicht. Und da mit normaler Post geschickt, meinte der nette Mann dort, koennte dies noch gut ein paar Wochen dauern. Natuerlich versuchten wir, uns von alle dem nicht entmutigen zu lassen- was schwierig war. Am Nachmittag genossen wir dann erstmal eine gute Muetze Schlaf, wonach alles halb so wild aussah: es gibt zwar billigere Orte um zu warten, aber langweilig wird uns hier bestimmt nicht! Den Rest unseres ersten Tages in Kapstadt verbrachten wir mit Spatzieren, gutem Essen und dem Versuch, moeglichst lange nicht einzuschlafen, damit der Jetleg keine Chance hat. 22.30 Uhr haben wir geknackt- soweit ich weiss!
Es wurde Freitag, 31.10.03. Wir schliefen fuer unsere Verhaeltnisse extrem lange aus, bis halb neun! Nach dem Fruehstueck dann erneut aufs Konsulat: die Tagespost ist noch nicht eingetroffen. Wir werden also spaeter anrufen und die Sache abchecken. Inzwischen besuchen Phil und ich BMW und verschieben den Service von heute (per Mail so verabredet) auf irgendwann.. . Danach ging es zu Fuss an die Waterfront, den alten Hafen von Kapstadt mit dem Clocktower, vielen Schiffen, Shops und unzaehligen Resturants.
Phil wollte sich gerade eine Zeitung kaufen, als ich bei meinem Anruf beim Konsulat erfuhr, das Post da war!!! Die Angestellten des Konsulates wuerden in genau 10 Minuten ins Wochenende gehen- also spurten!
15 Minuten spaeter hielten wir das Carnet in den Haenden! Und weitere 4 Stunden spaeter fuhren wir mit unseren Motorraedern vom Flughafen nach Kapstadt zu BMW! Jawohl, das alles hat noch am selben Tag geklappt! Nach dem Mittagessen riefen wir mal auf gut Glueck bei Hellmann Kapstadt an. Vielleicht laesst sich ja vor dem Wochenende noch der eine oder andere Papierkram erledigen? Nach einem kurzen Telefonat nahmen wir ein Taxi zu Hellmann, gaben dort Unterschrift und Zollgebuehren, erhielten dafuer Papiere fuer den Zoll. Dann ging es mit dem selben Taxi zum Zollgebaeude am Cargo Flughafen. Dort Stempel ins Carnet, Stempel auf andere ordentliche Papiere- und das wars! Waehrend ich diesen Papierkram erledigte und uns per Telefon doch noch bei BMW anmeldete, konnte Phil die Bikes fahrbereit machen (alles von den Paletten nehmen, Batterien anhaengen, Windschild und Rueckspiegel anbringen, Boxen bepacken..). Um 16 Uhr, wie gesagt, fuhren wir Richtung Stadt zu BMW- und wie wir fuhren, alles likns!!! Jawohl, Linksverkehr (sogar bei den Rolltreppen!)! Uebrigens nicht das einzige hier in Kapstadt, das an England und anderes europaeisches erinnert. Doch dazu spaeter.
Gerade noch bevor auch BMW ins Wochenende ging, konnten wir unsere Bikes noch unterstellen. Am Donnerstag (Phils Geburi) sollten sie dann fertig sein.
Phil und ich waren uebergluecklich, dass alles so gut geklappt hat! Mit einem feinen, selbstgekochten z'Nacht feierten wir unser Glueck.
Nun einige Worte zu Kapstadt: Unsere erste Backpackerbleibe in Cap Town lag an der Longstreet (Langstrasse!), mitten im Herzen Kapstadts, mitten im Nightlife Viertel. Die Longstreet hat viele Shops, von Armani bis zu all den anderen teuren Marken. Die Bars und Pups, die Haeuser, Laternen, die Autos auf der Strasse (BMW, Mercedes), das ganze Ambiente in den Strassen erinnert an eine Mischung aus Hackle Berry Fin, London und Europapark Rust. Viele Weisse hier, viel Geld.
Geht man durch den Tag in Kapstadt merkt man schnell, dass vielleicht keine politische Apartheit mehr vorherrscht, sicher aber eine wirtschaftliche: Putzersonal, Bettler, streunende Kids sind immer und nur Schwarze. Weisse in Anzuegen, BMW's und am Geld ausgeben. Keine Durchmischung erkennbar. Ich sehe keine gemischten Paare, keine gemischten Quliquen- schrecklich! Auf der Strasse hoere ich Britisch English, Dutsch, Afrikaan (Mischung der vorher genannten- Hauptsprache hier) und die Sprachen der Schwarzen, die ich nicht einordnen kann. Dazu kommt Deutsch- recht haeufig. Ihr seht, hier in Kapstadt ist nicht wirklich Afrika. Also ja schon, das hier ist eben auch Afrika, leider. Aber nicht das Afrika, auf das ich mich freue. Ich geniesse den Luxus hier, die unglaublich schoene Natur. Mit der Rassenproblematik habe ich aber Muehe und es ist beschaemend, in welche Rolle ich hier als Weisse automatisch gedraengt werde.
Am Samstag 1.11.03 wechselten wir die Unterkunft ins "Zebra Crossing". Billiger, ruhiger, tolles Quartier mit Internet, Foodshop und Laudry in der Naehe. Die Unterkunft hat einen Innenhof wo ich prima die Sonne geniessen kann und die Wolken oben auf dem Tafelberg bewundern darf. Herrlich!
Eigentlich sollten wir an diesem Samstag zwei Deutsche treffen, die hier wohnen, doch haben sie uns versetzt und wir dann was besseres unternommen, als zu warten. Nochmals einen Besuch an der Waterfront und dann ab ins Pub, Afrikas Biere im Test. Ein kurzer, etwas wackliger Gang ins Internet folgte, ein Nachtessen und eine geschmackliche Abrundung des Tests mit einer guten Flasche Wein- Anbaugebiet hier gleich um die Ecke.
Wer jetzt denkt, er wollte am naechsten Tag nicht mit uns tauschen- der soll sich dies nochmals gut ueberlegen! Denn zum Ersten waren Kopf und Magen absolut in Ordnung (Bier und Wein haben den Test bestanden) und zum Zweiten stand die Bezwingung des Tafelberges an. Bei schoenstem Wetter liefen wir um 9.00 Uhr, ausgeruestet mit einer Wanderkarte des Wirtes, los. 3 Stunden spaeter hatten wir die 1000 Hoehenmeter geschafft und standen oben auf dem felsigen Tafelberg! Eine herrliche Aussicht lohnte die Anstregung! Vom Hafen ueber die Stadt, ueber den Lion's Head (690m), den Signal Head (350m) ueber die anderen Buchten dieses Landeszipfels sah man hinweg. Ein Traum!
Mit der schweizerischen Drehgondel (1996) und 360 Grad Panoramaview ging es auf einer mastenlosen Fahrt nach unten- gerade noch vor der Windwarnung. Keine Passagiere durften mehr hoch und noch auf unserem Weg zurueck in die Jugi sahen wir, wie eine dicke Wolkendecke den Berg von hinten ueberzog und in rasendem Tempo nach vorne ueber die Kante fiel, wie wenn Frau Holle persoenlich Bettdecken schuetteln wuerde!
Am Montag, 3.11.03 haben Phil und ich richtig viel Geld ausgegeben und richtig viel Alltag erledigt: Wir kauften neue Visiere fuer unsere Helme- was dringend noetig war... wir trieben neue Pneus auf... wir schickten an die 30 Postkarten der ganz speziellen Art los (mehr wird hier nicht verraten)... wir schickten ein Paket nach Hause mit ganz viel Erinnerungkrimschkrams und Gewichtsbalast, da wir durch Afrika Gewichtfreiheit und Platz für jede Menge Wassergallonen und Foodvorrat machen muessen... wir kauften eine Zange, um welche wir schon manchmal froh gewesen waeren (Brieden anziehen, an Stellen des Bikes gelangen wo Finger einfach zu dick sind)... wir kauften Vorrat an Diafilmen (ja, zu all den Bildern auf der HP von der Digitalkamera kommen noch Dias hinzu; 17x 36er Filme bis jetzt)... und und und! Und wir haben fuer die folgenden 2 Tage ein Auto gemietet; ein Auto zu mieten (unlimitierte km) ist schon wenn man es alleine tut nur halb so teuer, wie z.B ein Tagesausflug pro Person mit einer Reisegruppe ans Kap der Guten Hoffnung (40km ein Weg). Reisegruppe deshalb, weil ein oeffentliches Verkehrsnetz nicht existiert.
Jawohl, am Dienstag und Mittwoch waren wir mit einem Auto unterwegs! Links, Steuerrad auf der falschen Seite, Kupplungs-, Brems- und Gaspedal staendig suchend..!
In diesen zwei Tagen besuchten wir den Nationalpark am Kap und die Bucht Hermanus. Wir waren an einem verlassenen, total romatischen Strand mit weissem Sand, etwa 3 Meter hohen tuerkisfarbenen Wellen, mit Robben und Delphinen im Wasser, jede Menge Muscheln am Strand, hohe Felswaende hinter uns und keine Menschenseele! Wir sahen, wo der Indische und Atlantische Ozean zusammen treffen. In Hermanus konnten wir Wale ganz nahe (10 Meter) beobachten: riesengrosse Tiere mit Jungen! Wir sahen die typische grosse Schwanzflosse der Wale aus dem Meere lugen, wir sahen Wale die sprangen, Wale die mit dem Kopf aus dem Wasser schauten und Wale, die wasserspeiend davon schwammen. Zwei herrliche Tage bei schoenstem Wetter mit Wind, herrlich warmen Temperaturen und einer traumhaften Landschaft mit einer Mischung aus Huegeln, Felsen Kueste und Blumenmeer!
Am Mittwochabend besuchten wir dann in einem 2. Anlauf das erwaehnte deutsche Paar, das hier arbeitet und im Maerz mit den Motorraedern nach Hause fahren wird. Kennen gelernt haben wir uns im Internet. Bei diesem deutschen Paar gastierte gerade ein Basler Paar, die vor 1 Woche von ihrer 1 jaehrigen Tour durch Afrika in Kapstadt ankamen. Die Basler wollen nach Suedamerika weiter. Ihr koennt Euch also vorstellen, dass wir an diesem Abend viel zu Erzaehlen, Fragen, Zuhoeren und zu Lachen hatten! Es hat Spass gemacht mit den 4 Freaks!
Und dann, am 6.11.03, Phils Geburi, konnte unsere Reise weitergehen! An dieser Stelle herzlichen Dank an das BMW-Team von Kapstadt! Um 14 Uhr konnten wir unsere Bikes holen und das Kap Richtung Norden verlassen. Nach knapp 2 Stunden Fahrt kamen wir am Zielort an: der Campingplatz in Citrusdal. Endlich wieder Zelten, endlich wieder unterwegs. Nervoes wie am ersten Tag! Und ich hatte das Gefuehl, als wuerde ich, 40'000km schon gemacht, als wuerde ich heute auf eine neue Reise aufbrechen!