Written in USA
05/25/2003 by jazz
Ja, ja. Ihr habt richtig gelesen- 25 Grad auf 1900 Metern. Wo? In Jackson Wyoming (etwa 80 Meilen suedl. des Yellowstone NP). Die Sonne scheint- ein Traum. Lauter 2000-4000er Schneeberge um mich herum. Wir geniessen hier in Jackson 2 Tage Pause um uns bei lokalen Hoechstwerten (kein Witz) aufzuwaermen. Doch nun der Reihe nach.
Nach Vancouver legten wir einen Meilenmarathon hin. Mo 430 km, Di 452 km, Mi 407 km, Do 417 km, Fr 180 km, Sa 350 km. Das toent nicht nach all zu viel. Aber die Strecken waren kurvige Strassen, einen Pass nach dem anderen (zw. 1300m und 2600m hoch), Temperaturen zwischen 18 und 0 Grad. Selten direkte Sonne, dunstig und bewoelkt aber kein Regen. Auf diesem Teil der Reise war echt die Fahrt das Ziel. Unterwegs gab es kaum Staedte usw. wo sich ein Halt gelohnt haette. Nein. Fahren war spannend! Nach jeder Kurve eroeffnete sich uns ein neuer Blick auf noch mehr Berge, Schnee, Felsen, Weiden und Taeler. Die Strasse wohl kurvig aber breit ausgebaut (Tagesdurchschnittsgeschwindigkeit meist ueber 80kmh), legt sich wie ein Teppich durch die Landschaft. Wenig Verkehr, fast keine Laster und die Leute an den Tankstellen freundlich und mitfuehlend (bezueglich der Kaelte).
An einem Abend im Motel (wir schliefen wegen der Kaelte immer in Motels) sahen wir einen Bericht ueber Pincher Creek- das Dorf mit dem meisten Wind von ganz Canada. Dort stehe ein ganzer Park von stromproduzierenden Windraedern. Tja Freunde- ja! Ich weiss heute nicht nur wo Pincher Creek liegt (etwa 126 Einwohner), ich weiss auch wie die ueber 100 gigantischen Windraeder, aufgestellt in einer Reihe von einem Talende zum anderen, paralell zur Strasse, aussehen. Und ich weiss, von was fuer einem Wind die sprachen... fragt Philipp, den Windfan!
An einem gottverlassenen Ort, bei eindruecklicher Felsenkulisse, war dann des Zoellners wichtigste Frage an der Grenze zurueck in die USA, ob wir Romanisch sprechen. Leider nein. Nur mit einem Satz konnte ich dienen...hocherfreut liess er uns passieren.
Seit Donnerstag 22. Mai befinden wir uns also wieder in den USA. Montana. Ein wunderschoener Staat. Der 4. groesste der USA. Viele Berge, Taeler, idyllische Fluesse und Indianerreservate. Oh ja, in British Columbia, Alberta und Montana war ich bestimmt nicht das letzte Mal.
Am Samstag, 24. Mai dann ein weiterer Hoehepunkt auf unserer Reise. Der Yellowstone NP. Der 1. NP weltweit (1872 gegruendet), riesengross. Wir fuhren 80 Meilen durch Niemandsland bis wir das Plateau auf 2100 Metern erreichten. Die Temperatur war angenehm warm, doch lag noch viel Schnee auf den Wiesen.
Kurz nach Eingang des Parkes (eine breite Strasse durch sonst wildbelassene Natur), sahen wir die erste Bisonherde in einem Fluss. Hatte ich zu Beginn des Parkes das Gefuehl, mit dem Motorrad quasi durch einen Zoo zu fahren, so war mir beim Anblick dieser grossen Tiere, mit ihrer Gemuetlichkeit, Ruhe und Kraft, nicht ganz klar, ob nicht ich quasi der Zoo bin und sich diese Naturgiganten fragen: was machen diese Winzlinge in und auf ihren Blechbuechsen bloss fuer ein Theater?
Wir sahen Elche, sowas wie Steinboecke, diverse Vogelarten, eine Art Gemsen und weitere Bisons, die recht verrupft aussahen (Fellwechsel?). Angler, die wie in der Werbung mit ihren Gummioveralls bis zum Bauch im klaren Fluss stehen, die Angel auswerfen, der blaue Himmel, die schneebedeckten Berge. Dann natuerlich die eindruecklichen Geysire... mehr Info unter: http://www.nps.gov/yell/ .
Wir fuhren ueber einen Pass mit 2600 Metern Hoehe, an dessen Gipfel sich der sog. Continental Devide befindet.
D.h. von dort fliesst das Wasser auf die eine Seite in den Atlantik und auf die andere in den Pazifik ab.
An einem der weltgroessten Bergseen dieser Welt assen wir zu Mittag. Durch den Teton NP (Berge, Berge, Berge) kamen wir dann hier in Jackson an. Infos zum Teton NP:http://www.nps.gov/grte/ .
Jetzt, wo es vor allem wieder waermer ist, macht mir das Reisen wieder Spass. Noch immer freue ich mich bei jedem Aufstehen auf das, was kommen mag. Im Text "Ein ganz normaler Tag" beschreibe ich den Alltag auf Reisen. Highlights wie diese Woche sind nicht Alltag- auch nicht auf Reisen.
Was das Toefffahren betrifft: Ich lerne jeden Tag dazu- und ja, da sind Schmerzen. Aber nicht am Po, nein. Mir schmerzt das rechte Daumengelenk vom Gasgeben und meine Zaehne! Vom Helmtragen und dem starken Wind ständig von der selben Seite, verschiebt sich mein ganzes Gebiss! Immerhin wackeln die Schneidezaehne nicht mehr. Und schmerzen tut auch nur noch einer- und auch nur noch beim Beissen.....